Hat WLTP Auswirkungen
auf CO2-Wert und Kfz-Steuer?

Interview mit Erik Wijbenga, Country Manager
von Dragintra Fleet Services Netherlands

Lesezeit: 7 Minuten

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Hat WLTP Auswirkungen auf CO2-Wert und Kfz-Steuer?

Gwenny Nales, Corporate Communication Manager

Gwenny Nales

Corporate Communications Manager, Van Ameyde

Lesezeit:7 Minuten
Alle Arbeitgeber mit eigenen oder geleasten Fahrzeugflotten sollten aufmerken: Welche Folgen hat das neue CO2-Testverfahren für Ihre CSR-Politik und Gesamtbetriebskosten? In den Niederlanden ist der 1. September 2018 ein kritisches Datum. Erik Wijbenga erklärt warum…

Erik, was ist WLTP und wie betrifft es Arbeitgeber und Arbeitnehmer?

 „WLTP steht für Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure, das neue Testverfahren für die Feststellung der CO2-Emissionen. Das Verfahren ist fairer, weil WLTP auf den tatsächlichen Fahrwerten beruht. WLTP ersetzt den bisherigen Testzyklus NEDC (New European Driving Cycle), der unter günstigeren Laborbedingungen durchgeführt wurde. Wenig überraschend ergibt WLTP höhere CO2-Werte als NEDC.

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Erik Wijbenga

Ein Fahrzeug erreicht nach WLTP also höhere CO2-Werte. Das Fahrzeug stößt zwar nicht mehr CO2 aus, aber sein Emissionswert ist nach dem neuen Testverfahren höher. Das könnte sich als ernsthaftes Problem für die soziale Unternehmensverantwortung (CSR) erweisen. Fahrzeuge, die aktuell der offiziellen Norm des Unternehmens entsprechen, werden die Grenzwerte wahrscheinlich überschreiten, wenn sie nach WLTP getestet werden.

WLTP könnte außerdem deutliche Kostensteigerungen verursachen, nicht nur für den Arbeitgeber, sondern auch für den Arbeitnehmer. In vielen Ländern werden die Kfz-Steuern (z. B. bei der Erstzulassung) nach dem CO2-Ausstoß berechnet. Beispiele hierfür sind BPM (Sondersteuer für private Kraftfahrzeuge und Motorräder) in den Niederlanden und BIV (ebenso eine Zulassungssteuer) in Flandern (Belgien).

In vielen Ländern sind Firmenwagen Mitarbeitervergünstigungen, und die Mitarbeiter werden nach dem Kaufpreis des Fahrzeugs besteuert. Mit der höheren Zulassungssteuer steigt auch der Kaufpreis, was auf die lohnsteuerpflichtigen Einnahmen des Mitarbeiters aufgerechnet werden könnte.

Die niederländische Regierung hat zugesichert, dass eine erhöhte BPM durch den Wechseln von NEDC zu WLTP nicht zu Lasten des Verbrauchers gehen werde. Leider ist nicht klar, wie ein derartiger Ausgleich aussehen soll – falls es tatsächlich dazu kommen sollte. Wird die Regierung die BPM senken? Das wird sich erst am Prinsjesdag (der Parlamentseröffnung des niederländischen Staates) am 18. September zeigen. WLTP tritt zwar erst am 1. Januar 2019 offiziell in Kraft, aber der Übergangszeitraum begann bereits im September 2017 und das Verfahren wird ab dem 1. September 2018 in den Niederlanden verbindlich. Also noch vor dem Prinsjesdag

Was geschieht während der vorgeschriebenen Übergangsfrist?

„Während des Übergangszeitraums wird in den Niederlanden anstelle der tatsächlichen Fahrdaten ein auf dem WLTP basierendes Umrechnungsverfahren angewendet. Wir nennen dies NEDC 2.0. Unter NEDC wurden die Fahrzeug basierend auf ihrer vorteilhaftesten Konfiguration getestet, also ohne Anhängerkupplung, Breitreifen usw. Unter NEDC 2.0 hingegen wird die nachteiligste Konfiguration als Grundlage herangezogen, was deutlich höhere CO2-Werte ergibt. Es ist egal, ob Sie sich in der Praxis für eine kraftstoffsparende Konfiguration entscheiden: Der höhere CO2-Wert gilt für alle ab dem 1. September 2018 zugelassenen Pkw.

Die entscheidende Frage lautet: Was genau besagt das Regierungsversprechen? Bezieht es sich auf den Übergang von NEDC 2.0 zu WLTP oder den Übergang vom alten NEDC zu WLTP? Und was geschieht mit Fahrzeugen, die ab dem 1. September zugelassen werden und nach NEDC 2.0 bewertet werden?

Beispielrechnung: BPM-Erhöhung um 7.000 Euro

Beispielrechnungen zeigen eine drastische Erhöhung der niederländischen Zulassungssteuer BPM. Unsere Beispielrechnungen haben BPM-Erhöhungen von 3.000 auf ganze 10.000 Euro ergeben. Der Preisanstieg findet also beim Übergang von NEDC zu NEDC 2.0 statt, nicht von NEDC zu WLTP. Die Frage ist, wie die niederländischen Käufer für diese spezielle Erhöhung entschädigt werden sollen.

Für die Autokäufer bedeutet dies ein großes Risiko. Sie können momentan ein Auto zu einem vereinbarten Preis kaufen. Wenn es aber erst nach dem 1. September zugelassen wird, muss der Käufer die zusätzliche Zulassungssteuer entrichten. Schließlich besagen die Kauf- und Leasingverträge, dass alle gesetzlichen Preiserhöhungen zu Lasten des Käufers oder Kunden des Leasing-Unternehmen gehen. Nur wenige Pkw-Hersteller geben ihre Preise bereits nach NEDC 2.0 an.

Die Folgen bei den Kfz-Steuern sind nicht auf die Niederlande beschränkt. Laut dem VDA (Verband der Automobilindustrie) werden auch in Deutschland die Steuern für neu zugelassene Fahrzeuge ab dem 1. September 2018 steigen.

Klarheit nach dem Prinsjesdag?

Ich möchte betonen, dass wir es erst nach dem Prinsjesdag genau wissen werden. Dann werden wir die Pläne der niederländischen Regierung für die Zulassungssteuer erfahren.“

Sie sagten, dass noch nichts festgelegt ist. Glauben Sie, dass die Arbeitgeber sich der Folgen ausreichend bewusst sind?

„Ich glaube, in der Regel nicht. Was auch nicht überraschend ist, weil noch so vieles unklar ist. Trotzdem sollten die Arbeitgeber jetzt unbedingt ihre SCR-Politik überdenken. Deshalb haben wir letzten April für unsere niederländischen Kunden einen Workshop zu diesem Thema abgehalten.

Als Arbeitgeber müssen Sie sich Ihrer Prioritäten klar werden. Wollen Sie die aktuellen CO2-Emissionsgrenzwerte auch in Zukunft einhalten, müssen Sie zu kleineren Autos wechseln. In der höheren Preisklasse könnten Sie sich für kleinere Motoren und weniger Zubehör entscheiden. Sie könnten auf Breitreifen und Schiebedächer verzichten. Aber diese Möglichkeiten haben Sie nicht, wenn Sie bereits niedrigere CO2-Grenzwerte einhalten.“

Wozu würden Sie raten?

„Zunächst sollten die Arbeitgeber ihre Fahrzeug- und CSR-Politik überdenken. Aus Sicht der Mitarbeitervergüngstigungen wird das nicht einfach. Laut einer niederländischen Studie über Firmenwagen betrachten die Arbeitgeber einen Firmenwagen immer noch als wichtige Mitarbeitervergünstigung. Viele Arbeitgeber würden die Option einer Einführung von Mobilitätsbudgets bevorzugen, aber nicht viele Mitarbeiter teilen diese Vorliebe.

Als Arbeitnehmer in den Niederlanden würde ich in Sachen Neuwagen vorerst nichts unternehmen. Wenn Sie die Laufzeit Ihres Leasingvertrags verlängern können, sollten Sie dies unbedingt tun. Und vor allem seien Sie vorsichtig bei Fahrzeugen, die eventuell erst nach dem 1. September 2018 zugelassen werden: Lassen Sie sich den Preis unbedingt nach NEDC 2.0 ausrechnen.“

Quote
Erik Wijbenga

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